Waidmannsheil am Morgen, am Mittag und am Abend

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Auf der gemeinsamen Hegeringversammlung von HR 2 und HR 3 beschrieb Wildmeister Christian Franke wie Brauchtum und Zeitgeist zusammenpassen

(VR) Wildmeister arbeiten professionell in verschiedenen Bereichen, darunter Forstwirtschaft, Naturschutz und Jagd. Christian Franke, der Berufsjäger aus der Eifel, gehört zu dieser Berufsgruppe und gibt sein Wissen gerne weiter an Leute, die daran interessiert sind. Im gut besuchten Schützenhaus in Walldorf traf er mittlerweile auf viele bekannte Gesichter.

Nachdem Hegeringleiter Jochen Christoffel die Anwesenden und die Jagdhornbläser begrüßt und zum Gedenken der Verstorbenen aufgefordert hatte, gab er dem Referenten des Abends das Wort und die Bühne frei für seinen komprimierten Vortrag. 

Brauchtum, Waidgerechtigkeit und jagdliche Ethik waren die Themen und Christian Franke ermunterte die Anwesenden mit einem Statement zum Jägergruß. „Jäger und Jägerinnen grüßen sich morgens, mittags und abends mit Waidmannsheil“, so Christian Franke, „es vermittelt einen Grundstolz, kommt von Herzen und ist als Gruß hunderte von Jahren alt“. Die Jägerschaft verfüge darüber hinaus über einen riesigen, eigenen Wortschatz von 3.500 Wörtern (z.B. Decke, Schweiß, Sasse, Lauscher) und über 10.000 Floskeln (z.B. jemand aufs Korn nehmen, am Drücker sein, kein Hasenfuß sein). Diese verbindenden Sprachidiome habe keine andere Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Das sei ein einmaliges Brauchtum und darauf sollten wir stolz sein. Christian Franke weiter: „Wer die Jagd als ein Hobby begreift, der hat etwas falsch verstanden. Wir sind eine eigene alte Zunft, aus der sich in früherer Zeit auch die Försterei entwickelt hat“. So etwas wie Jagdneid dürfe es nicht geben, sondern prägend sei die gemeinsame Jagdfreude. Wichtig sei, dass man sein Handwerk perfekt beherrsche und das Wissen recht hoch bleibe. Dazu gehöre unbedingt ein sauberer Schuss. Und nicht etwa ein Trägerschuss beim Rehwild, der soll zwischenzeitlich wieder modern sein. Christian Franke hält dies für jagdlich verkommen. Erfreulich ist für Franke die Entwicklung der weiblichen Jägerschaft. Hier sei man bei einem Anteil von 15 % angekommen. Das erzeuge und verlange viel gegenseitigen Respekt und bewirke ein positives Bild in der Öffentlichkeit. Eine Lanze brach der Wildmeister für des Jägers treuesten Gefährten an seiner Seite, den Jagdhund. Ein Jäger ohne Jagdhund sollte eigentlich nicht sein. 

Zum Ende seines Vortrags lud der Wildmeister dann zu einer gemeinsamen Gesangsübung ein, dazu wurde ein Lied von Hermann Löns „Ich bin ein freier Wildbretschütz“ stehend intoniert. Der Autor dieser Zeilen hat das zum ersten Mal bei einer Hegeringversammlung erlebt, denn es sei ein alter Brauch – und stellt fest, es ist ein schöner Brauch.

Übrigens: In Vorbereitung ist ein Seminar der beiden Hegeringe HR 2 und 3 zum gleichen Thema, mit dem gleichen Referenten: jagdliches Brauchtum, bei dem sich Christian Franke noch intensiver mit dem Thema auseinandersetzen wird.

Fotos: Volker Rutkowski