(Text Dr. Andreas Wiese)
Als am 7.6.2026 die Nachricht vom Tod von Ingo Walter durch den Odenwald eilte, waren wir alle tief erschüttert und sehr traurig, haben wir doch einen außergewöhnlichen Jagdfreund verloren.
Ingo erlernte das jagdliche Handwerk in Brombach schon in jungen Jahren. Sein Cousin Gerd Schwinn, der das Revier Brombach-Ost betreute, war ihm ein großes Vorbild. Als Jugendlicher war er Treiber u.a. auf der jährlichen Geburtstagsjagd zwischen den Jahren von Hans Wiest und im Frühjahr wurden mit dem Vater Stangen gesucht. Sein Opa war Forstwart bei der damaligen Stiftung Schönau. Zu jener Zeit gab es in Brombach relativ viel Rotwild und so wurde er früh vom „Hirsch-Virus“ befallen. Ingo war seit Kindesbeinen mit dem Wald, dem Wild und der Jagd verbunden.
Am 24.7.1993 legte Ingo die Prüfung zum grünen Abitur = Jagdschein ab. Fast 33 Jahren war er nun jagdlich unterwegs. Mit Ablegen der Jägerprüfung wurde Ingo Mitglied der Heidelberger Jägervereinigung. Im Jahr 2005 übernahm er bis 2014 die Leitung des Hegeringes V der HDJV. Während dieser Zeit und darüber hinaus engagierte er sich auch direkt im Kreisverein. Im Hegering war er bis zuletzt immer präsent, hilfsbereit und seine jährliche Besprechung der Rehgehörne zeugte von seinem profunden Wissen, verbunden mit einem gewissen Schalk im Nacken.
Im Jahr 2010 wurde Ingo als Prüfer für die Jägerprüfung berufen. Neben der Standaufsicht bei der Schiessprüfung, prüfte er im Laufe seiner Tätigkeit alle Fächer außer Fach 4 – Recht. Was Ingo im Prüfungsumfeld auszeichnete, war seine jagdliche Erfahrung, seine ruhige Art und immer auf Augenhöhe mit dem Gegenüber. Jeder Prüfling wurde fair behandelt, aber KO-Kriterien waren eben KO-Kriterien.
Am 1.1.1995 trat Ingo in die Vereinigung der Rotwildjäger im Odenwald e.V. ein. Im selben Jahr übernahm er die Berufsjägerstelle von Robert Mühe im Revier Eberbach II Itterberg. Von etwa 2005 bis 2026 war Ingo Walter Mitglied des Vorstandes der Rotwildjäger Vereinigung. Ab 2013 bis 2025 übernahm Ingo, als 1. stellvertretender Vorsitzender im Rahmen der alljährlichen Hegeschau die Besprechung der ausgestellten und bewerteten Hirsch-Trophäen. Auch hier überzeugte er mit seinem Fachwissen und irritierte gerne die Zuhörer mit kleinen Frotzeleien, Anekdoten, Seitenhieben und Sticheleien – alles mit Maß und Anstand. Im Vorstand selbst war Ingo derjenige, der gerne die jagdliche Praxis vertrat.
Im Jahre 1996 bekam Ingo seinen ersten BGS (Bayrischen Gebirgsschweißhund), der manchmal auf den Namen Macho hörte, wenn man ihn rief. Macho folgten mit Lago, Rambo und Macho II weitere BGS-Rüden, die alle mit viel Liebe, Zuneigung und der nötigen Härte zu hervorragenden Nachsuchenhunden ausgebildet wurden. Im Jahre 2007 war Ingo einer der Mitbegründer des Nachsuchenrings Bergstrasse/Odenwald. Wenn es darum ging, Wild aufzufinden und ggf. von Leiden zu erlösen, egal wo und wenn es in Spanien war, war Ingo zu jeder Tages- und Nachtzeit abrufbereit. Selbst unter größten Qualen folgte er seinem Hund auf der Wundfährte.
All diese Tätigkeiten und Aktivitäten wurden 2026 mit der silbernen Ehrennadel des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg gewürdigt.
Das war nun die Vita von Ingo Walter. Wer war eigentlich der Jäger Ingo Walter? Ich denke hier rechts neben mir sehen Sie die passende Antwort auf diese Frage: Ein Jäger der sich freuen konnte, wobei die Stärke der Trophäe zweitrangig war. Wie das Bild mit dem Achter in Schottland zeigt. Der Hirsch musste nur alt sein und es musste eine spannende und herausfordernde Jagd sein. Ein ähnliches Bild wie das Schottland Bild gibt es auch mit dem 8er aus dem Revier Itterberg, dem Geweih weiter rechts. Ein wirklich alter Hirsch vom +12 Kopf. Auch hier das Strahlen in den Augen und der lächelnde Mund. Ich kann mich gut an beide Hirsche erinnern und die Freude, die Ingo mit ihrer Erlegung hatte. Ingo kannte keinen „Futterneid“ und konnte sich mit anderen über deren Waidmannsheil freuen, so wie er sich über das eigene freute.
Ingo war ein Jäger, der sehr kritisch sein konnte, Dinge hinterfragte, vorausschauend plante, sich eine Meinung bildete und dann diese Meinung konsequent vertrat. Wenn eine Entscheidung getroffen war, dann wurde sie gnadenlos durh- bzw. umgesetzt. Er war ein Mensch, der fröhlich, unterhaltsam, interessiert war und gleichzeitig voller Zweifel steckte, wie sich die Dinge nun zukünftig entwickeln werden und was der richtige Weg sein könnte.
Ein Mensch, der Spass verstand und Mitmenschen gerne auf die Schippe nahm. Umgekehrt konnte es kritisch sein. Ein Jäger, der mit zunehmendem Alter immer höhere Ansprüche an sich selbst und an seine Umwelt hatte. Manchmal drohte er daran zu verzweifeln. Ein Mensch, der für uns voll im Leben stand.
Es gibt noch viel mehr über Ingo Walter, einer herausragenden Persönlichkeit des jagenden Odenwalds zu sagen. Doch ich möchte schließen mit den Worten:
„Das ist des Jägers Ehrenschild,
dass er beschützt und hegt sein Wild,
Waidmännisch jagt, wie sich's gehört,
den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.“
Diese Verpflichtung aus dem Jägerschlag war das jagdliche Leitmotiv von Ingo Walter und so wollen wir ihn auch in Erinnerung behalten. Wir, die Jäger im Odenwald und alle hier versammelten Jäger und Nicht-Jäger nehmen von Dir, lieber Ingo, nun Abschied mit unserem letzten Bruch.
Ingo, wir vermissen Dich und wir werden Dir stets ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt den trauernden Angehörigen und Freunden.