Nach 8 Monaten der anspruchsvollen Ausbildung wurden jetzt die Jäger-Prüfungen durchgeführt und mit dem traditionellen Jägerschlag gekrönt.
(VR) Kann man den Jagdschein lösen, wenn man gehandycapt ist und nur einen Arm zur Verfügung hat? Man kann. Und dazu noch beim Schießen einer der besten sein, bei der Jägerausbildung der Heidelberger Jägervereinigung (HDJV). Doch der Reihe nach.
Endlich vorbei oder der Lernmarathon hat sich gelohnt und das büffeln war es wert, so drückten einige Jungjäger ihre Erleichterung aus. Nach acht Monaten des permanenten Unterrichtes mit über 150 Theorie-, und bis zu 80 Praxisstunden, wurden 15 von 18 Anwärtern zum Jäger geschlagen. Die drei verbliebenen Jagdschüler können in Kürze ihre zweite Chance nutzen. Beim Festakt, dem Jägerschlag Mitte Mai, feierte Kreisjägermeister Ralph Steffen mit seinem Team und den Jungjägern gemeinsam mit ihren Angehörigen dieses besondere Ereignis. In diesem Jahr hatte man sich als feierlichen Rahmen für die Burgschenke im historischen Ambiente der Burg Steinsberg in Sinsheim entschieden. Die musikalische Begrüßung und stimmungsvolle Begleitung während der Feier übernahmen die Jagdhornbläser und Jagdhornbläserinnen des Hegerings 3 in der HDJV, unter der Leitung von Mathias Greulich.
„Mit einer Erfolgsquote von 83% der bestandenen Prüfungen liegen wir in Heidelberg weit über dem Trend von Baden-Württemberg mit 60%“, berichtete Kreisjägermeister Ralf Steffen in seiner Ansprache. Das zeige, dass die Ausbildung und die Ausbilder in der HDJV ein Qualitätsfaktor sind. „Für die Jagdschüler beginnt nun nach dem Jägerschlag das Waidmannsleben“, so Steffen, „damit soll aber das lernen und die Weiterbildung noch nicht vorbei sein.“ Die HDJV bietet hier eine Reihe von Möglichkeiten an so z.B. die Hegeringversammlungen mit Vorträgen, Schießwettbewerbe, den Lernort Natur mit der Jugendarbeit, die Rehkitzrettung oder vielleicht sich als Jagdhornbläser miteinzubringen.
Sich miteinbringen in das Vereinsleben, das will auch der gehandycapte Sven Schneider (46) auf jeden Fall. Nach einem schlimmen Motorradunfall konnte er den linken Arm nicht mehr bewegen und das blieb so. „Aber aufgeben, weder beruflich noch privat, war für mich keine Option,“ so der selbstbewusste Jungjäger aus Lobbach auf Nachfrage. Schon früh kam er mit Natur, Wald und Jagd in Berührung und so war es für ihn wichtig, gerade jetzt die Herausforderung einer jagdlichen Ausbildung anzunehmen, mit allen Erschwernissen. Dabei entschied er für sich nicht irgendwo die Ausbildung zu machen, sondern aufgrund einer Empfehlung in Heidelberg. Mit einer Gewehr-Zielhilfe am Gürtel kann er die Einhand-Bedienung zielsicher beim Training und bei der Jagd einsetzen. Was nicht geht, ist mit der linken Hand beim Zuprosten das Glas halten. Die rechte Hand des Jägers soll ja traditionell frei bleiben. „Hier muss ich leider passen“, so Schneider lächelnd, „auch wenn ich damit nicht der alten Jägersitte entspreche.“
Ein erfolgreicher Lehrgangsabschluss ist für Schulleiter und Organisator Frank Seul das Tüpfelchen auf dem I für seine ehrenamtliche Aufgabe. Deshalb kann er seine Schützlinge auch nicht entlassen, ohne noch einige Ratschläge an den Mann bzw. die Frau zu bringen, die einen erfolgreichen Werdegang möglich machen. „Achtet auf Sicherheit im Umgang mit Waffen und zeigt, wie ihr es gelernt habt, Verantwortung dem Wild gegenüber“, rät Frank Seul. Die nächsten 2-3 Jahre soll man noch viel Erfahrung sammeln, wo immer es geht, denn es wäre wie beim Führerschein, richtig fahren kann man nur, wenn man viel Praxis hat.
Kreisjägermeister Steffen, seine Stellvertreterin Anthia Mode und Schulleiter Frank Seul wendeten sich nun dem mit Spannung erwarteten Schlusspunkt der Ausbildung zu, in dem 15 Jagdschüler, darunter 3 Jagdschülerinnen, zum Jäger bzw. zur Jägerin geschlagen wurden. Mit den Worten: „Der erste Schlag soll Dich zum Jäger weih´n, der zweite Schlag soll Dir die Kraft verleih´n, zu üben stets das Rechte, der dritte Schlag soll Dich verpflichten, nie auf die Jägerehre zu verzichten“, wird man mit drei leichten Schlägen auf die Schultern zum Jäger geschlagen. Nun hat man drei Jahre lang den Status eines Jungjägers oder einer Jungjägerin, egal wie alt man ist.
Nach dem Jägerschlag ist vor dem Jägerschlag, denn die Anmeldungen zum nächsten Kurs haben schon begonnen. Wer Interesse hat und mehr Information benötigt, kann die Gelegenheit am 26. Juni um 19.00 Uhr nutzen. Dort gibt es in der Jagdschule der HDJV e.V. (Elisabethenweg 1, Heidelberg) einen Infoabend zum Jungjäger-Vorbereitungslehrgang 2026/27. Der Lehrgang beginnt am 15. September 2026 in der Jagdschule und endet Mitte Mai 2027 mit dem traditionellen Jägerschlag.
Fotos: Volker Rutkowski



