ASP: Kadaverentfernung ist essentieller Bestandteil der Seuchenbekämpfung

Erstellt am

(VR) Am 21.2. lud Hegeringleiter Jochen Christoffel die Mitglieder vom HR 3 zu einem Vortrag in das Schützenhaus nach Walldorf ein. Referentin des Abends war Dr. med. vet. Christina Jehle, Mitglied des Projektteams TCRH, Mosbach (Training Center Retten und Helfen). Ihr Thema: Einsatz und Erfahrungen der Mensch-Hund- und Drohnenteams bei der ASP-Kadaversuche. Die Veterinärmedizinerin ist aktive Jägerin und Hundeführerin und hat auch eine langjährige Erfahrung in der jagdlichen Verbandsarbeit. Das TCRH ist vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg  (MLR) mit der Ausbildung und Bereitstellung von Suchteams (Suchhundegespanne, Einsatzkräfte, technische Ortung, ergänzende Maßnahmen) beauftragt worden. 

Das Interesse der Mitglieder an diesem Vortrag war sehr groß, das Thema war also gut gewählt. Nachdem die Jagdhornbläser den Vortragsabend einleiteten berichtete die Projektleiterin von mittlerweile 7000 positiven Fällen in Deutschland. In Hessen wurden 3210 Wildschweine beprobt, davon waren bis dato 1211 positiv. Die Kadaver verendeter Wildschweine müssen möglichst schnell gefunden werden und beseitigt werden. Die Kadaversuche mit Mensch-Hund- und Drohnenteams hat sich dabei sehr bewährt. Die meisten Kadaver würden entlang von Straßen und Bahnlinien gefunden. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass das Blut der Wildschweine extrem ansteckend ist. Kot, Harn und Sekrete dagegen weniger. Das Thema blutsaugende Insekten als Vektoren ist noch nicht ganz erforscht. Man nennt die ASP scherzhaft auch Wurstbrotseuche. Wenn die Tiere kontaminierte Wurst wie Salami, Rauchfleisch oder Parmaschinken als Nahrung ergattern, haben sie den Virus in sich. Der Virus kann sich bis zu sechs Jahre lang in der Wurst halten. Allgemein gilt, sind Sauen vom Virus befallen, können manche bis zu 3 Wochen überleben.

Man weiß zwischenzeitlich, dass sich von 100 Sauen 10 anstecken und 9 davon sterben, also das Virus ist nicht für jedes Wildschwein tödlich. Manche Tiere passen sich dem Virus an.

 

Wie läuft die Kadaversuche ab?

Im Seuchenfall werden, nach Festlegung der Sperr- und Überwachungszonen (I und II) diese Zonen in Gebiete aufgeteilt. Bei dieser Aufteilung wird auf Faktoren wie Nähe zum Ausbruchsort, Geländestruktur, Bewuchs und Schwarzwildvorkommen geachtet. Gerade beim letzten Punkt ist das Fachwissen der örtlichen Jägerschaft sehr wichtig.

Danach bekommt jedes Team, bestehend aus mindestens einem Hundeführer mit Hund und einem Suchtrupphelfer, ein eigenes Suchgebiet zugewiesen, das systematisch abgesucht wird. Je nach Gelände und Witterung sind die Teams mehrere Stunden pro Tag im Einsatz. Mitunter in unwegsamem Gelände (zugewachsene Dickung, Teiche, Inseln im Wasser, steile Hänge). Beim Fund toter Wildschweine werden die Koordinaten an Bergeteams übermittelt, die dann die Kadaver fachmännisch entfernen und den Fundort desinfizieren (Die Viren im Blut in der Erde können bis zu 2 Jahren überleben). 

Zwischen den Suchgebieten der Teams ist immer einige hundert Meter Platz, die Suche ist daher nicht mit einer klassischen Treiber-/Hundeführerkette einer Drückjagd zu vergleichen und fällt auch nicht unter den Begriff „Jagdausübung“. Die Teams führen auch keine Waffen.

Ganz wichtig sind die Einsatzmittel aus dem Bereich technischer Ortung wie Drohnen und Wärmebildkameras sowie die Führungsstrukturen des Katastrophenschutzes. Bei dichter Bewaldung sind den Drohnen aber Grenzen gesetzt. Da kommt man nur mit den aufwendig ausgebildeten Hunden weiter.

Abschließend zeigte die Referentin Kadaverbilder aus dem praktischen Alltag der Suchteams. Das war für Jäger und Jägerinnen, die einiges gewöhnt sind, kein Augenschmaus. 

 

Interessierte Hundeführer können sich unter https://asp.tcrh.de informieren oder an Dr. Jehle wenden: +49.(0)6261.3700707 oder c.jehle(at)tcrh.de